Theaterpreis des Bundes
HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste erhält den mit 200.000 Euro dotierten Theaterpreis des Bundes. Das Haus überzeugt mit einem klar profilierten Programm, das künstlerische Qualität und gesellschaftliche Verantwortung verbindet. Als bedeutender Ort für internationale Perspektiven und innovative Residenzen setzt das Haus starke Impulse.
„Der Theaterpreis des Bundes ist eine sehr besondere Auszeichnung für uns, da er eine große Wertschätzung der Arbeit vieler Menschen vor, auf und hinter der Bühne darstellt. Wir können uns also gemeinsam mit den Künstler*innen und unserem Publikum freuen! Der Preis ist eine wichtige Anerkennung der internationalen Arbeit des Produktionshauses HELLERAU in Dresden und er stärkt unsere Zusammenarbeit mit den frei produzierenden Künstler*innen, Partnern und Netzwerken national und international.“
Jurybegründung
HELLERAU gelingt ein beeindruckender programmatischer Balanceakt: Als zentraler Produktions-, Residenz- und Gastspielort der Freien Darstellenden Künste im Osten Deutschlands verbindet es regionale Verankerung mit internationalen Perspektiven und stellt sich immer wieder entschlossen ins Verhältnis zu seinem gesellschaftlichen Umfeld. Als Leuchtturm Freier Darstellender Künste und Förderer exzellenter Kunst wächst HELLERAU hoch hinaus und wirkt dialogisch in die Breite, indem es künstlerische Qualität mit gesellschaftlicher Verantwortung und politischer Sensibilität verbindet. Sein Licht richtet das Haus dabei immer wieder auch auf die künstlerischen Szenen in Mittel- und Osteuropa: seit Beginn der Intendanz von Carena Schlewitt 2018 liegt ein Programmschwerpunkt auf den Transformationsprozessen in Osteuropa und Ostdeutschland seit dem Zerfall der sozialistische Staatensysteme. So zeigt die Reihe „Nebenan“ zeitgenössische Kunst aus Regionen, in denen Künstler*innen unter schwierigen politischen Bedingungen arbeiten, etwa aus der Ukraine, aus Ungarn oder der Slowakei. Einmalig ist auch das international und interdisziplinär ausgerichtete Residenzprogramm, das jährlich bis zu 40 Künstler*innen aus dem Osten Deutschlands und Europas ein künstlerisches Zuhause bietet.
Die besondere Architektur des historischen Festspielhauses wird dabei immer wieder selbst zum Ausgangspunkt künstlerischer Arbeit – etwa mit dem Festival „Tanzformen“, das an die Geschichte Hellerau als Ort der Körper- und Bewegungskunst anknüpft. Unter dem Titel „Empowering Bodies“ wurden zuletzt choreografische Arbeiten versammelt, die Tanz als Ausdruck individueller Körperbilder und als Form des Widerstands gegen gesellschaftliche und politische Verhältnisse begreifen.
Dem Trend zur Verkürzung wirkt HELLERAU in thematischen Tiefenbohrungen entgegen. Das Haus widmet sich bspw. mit dem Projekt „SCHICHTEN“ künstlerischen Praktiken des Erinnerns und Gedenkens, der Weitergabe von Kriegserfahrungen und -traumata, dem Schweigen in den eigenen Familienerzählungen und dabei immer auch der Aufarbeitung der Geschichte des Hauses selbst – u.a. mit dem Jewish Chamber Orchestra mit seinem Projekt über den vergessenen Komponisten Józef Koffler und dem österreichischen Ensemble für neue Musik mit seinem Konzertprogramm „Musik versus Barbarei“.
Trotz finanzieller Drucksituationen und politischem Angriff gelingt es HELLERAU immer wieder, ein ambitioniertes, unabhängiges und inhaltlich starkes Programm zu realisieren und damit konsequent für die Freiheit der Künste einzustehen.
Für seine herausragende programmatische Leistung wird HELLERAU mit dem Theaterpreis des Bundes gewürdigt – die Jury ist gespannt auf weitere Impulse aus der Gartenstadt und gratuliert Carena Schlewitt und dem gesamten Team des Hauses zu deren Verdienst um die darstellenden Künste.