Kategorie Freie Produktionshäuser
Das stellwerk junges theater erhält die mit 100.000 Euro dotierte Auszeichnung in der Kategorie Freie Produktionshäuser. Als Möglichkeitsraum für junges, selbstorganisiertes und zeitgenössisches Theater stärkt es Identifikation, Selbstwirksamkeit und neue künstlerische Handschriften. Mit inklusiven Projekten und starker Bildungsarbeit setzt das Haus bundesweit Maßstäbe.
„Unser Haus ist unglaublich dankbar und glücklich über die Auszeichnung. Wir treten jeden Tag für junge Menschen und ihre Überzeugungen ein, eröffnen Chancen und fördern Teilhabe. Die Auszeichnung beweist, dass wir mit unserem Mut zur rein partizipativen Theaterarbeit und unserem täglichen Einsatz einen Nerv der Zeit treffen. Für unser kleines Team bedeutet dies eine enorme Anerkennung der bisherigen Arbeit. Gleichzeitig befeuert es unseren Ansporn, sich noch mehr in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen und jungen Menschen eine Plattform zu bieten, um mit ihren Gedanken und ihrer Lebenswelt abgebildet und ernst genommen zu werden. Wir danken allen Mitwirkenden, die dies bereits in der Vergangenheit ermöglicht haben.“
Jurybegründung
Das stellwerk in Weimar ist ein Möglichkeitsraum für junges, zeitgenössisches Theater. Hier spielen ausschließlich junge Menschen für junge Menschen – unter professioneller Begleitung eines kleinen, hochengagierten Teams, das junge Ideen, Gedanken und Meinungen ernst nimmt. Der partizipative Ansatz geht aber weiter: auch in allen anderen Bereichen rund um Konzeption und Organisation sind junge Menschen zwischen 6 und 27 Jahren durchgehend eingebunden und gestalten z.B. technische Prozesse aktiv mit. Diese Arbeitsweise hat nicht nur soziale, sondern auch ästhetische Konsequenzen: Kollektive Produktion fördert Identifikation, Selbstwirksamkeit und Formen demokratischer Zusammenarbeit, aus der neue, eigenständige künstlerische Handschriften und ein vielfältiges Repertoire hervorgehen.
So setzt sich das lokale Kooperationsprojekt „Ausradiert“ mit NS-Eugenik Verbrechen in Thüringen auseinander und wird u.a. an Gedenkstätten gespielt, während sich mit „FOMO“ der Spielplan des Hauses für inklusives Tanztheater öffnete. Ein Projekt, das bis heute mit wöchentlichen mixed-abled Workshops nachwirkt. Durch derlei eigene Kursangebote, aber auch durch seine starke Vernetzung mit Bildungseinrichtungen und überregionale Kooperationen ist das stellwerk wichtiger Lern- und Ausbildungsort. Und trägt seinen Ansatz z.B. mit einer gefeierten Adaption von Goethes „Faust“ auf Festivals bundesweit hinaus.
Das stellwerk junges Theater ist gemeinschaftlich gelebter kultureller Raum mit hoher Bindungskraft für Mitwirkende und Mitarbeitende gleichermaßen. Diese Kombination aus gesellschaftlichem Engagement, künstlerischer Vielfalt und identitätsstiftender Wirkung hat Vorbildcharakter und soll besonders gewürdigt werden.