Kategorie Stadt-, Staats­theater und Landesbühnen

Theater Oberhausen

Szene aus dem Kids Battle beim PottClash-Festival am Theater Oberhausen: eine junge Tänzerin schwebt mitten in einer Bewegung in der Luft. Im Hintergrund sitzen auf einer ansteigenden Tribüne weitere Jugendliche. Ein DJ-Pult befindet vor großen Bannern, auf dem der jeweilige Battle angekündigt wird.
© Dana Schmidt

Das Theater Oberhausen erhält die mit 100.000 Euro dotierte Auszeichnung in der Kategorie Stadt-, Staats­theater und Landesbühnen für seine mutige Öffnung zu neuen Sparten, vielfältigen Publika und gesellschaftlich relevanten Themen. Mit „Urban Arts“, „Open Haus“ und internationaler Dramatik setzt es starke Impulse für Teilhabe und Innovation. Das Haus zeigt, wie ein modernes Stadttheater strukturell wie künstlerisch überzeugt.

„Die Auszeichnung bedeutet für uns die Wertschätzung einer gemeinschaftlichen Theaterarbeit von mehr als 140 Menschen, die sich radikal zeitgenössisch versteht und zum Zarten, Verletzbaren, Komplizierten bekennt. Die sich in Beziehung zu einer höchst diversen Stadtgesellschaft verwirklicht. Oberhausen ist eine extrem herausgeforderte Kommune. Aber den Menschen hier und der Kulturpolitik ist umso deutlicher bewusst, welchen Wert die Künste für das demokratische Miteinander haben. Diese Haltung der Stadtgesellschaft ist ebenfalls preiswürdig und gibt uns Mut und Freiheit.“

Jurybegründung

Das Theater Oberhausen hat seine Türen in den vergangenen Jahren weit geöffnet: Hin zu Zeitgenossenschaft und gesellschaftlicher Relevanz, zu unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen der Ruhrgebietsstadt, zu struktureller Innovation und neuen Sparten: 2023 wurde das schauspielzentrierte Theater um eine urbane Tanz-Sparte „Urban Arts“ erweitert, die mit Eigenproduktionen, Battles und Festivals nicht nur künstlerische Entwicklung vorantreibt, sondern auch neue Publika ins Theater zieht und wichtige Community Arbeit leistet. Auch die neue Sparte „Open Haus“ widmet sich in Teilhabeformaten einer intensiven Vernetzung mit der Stadtgesellschaft und ihren Akteur*innen und spricht ein diverses Publikum an, das weit über akademische Theatermilieus hinausgeht. Das Theater Oberhausen wird damit nicht nur in der aktuellen Spielzeit zum „Ministerium gegen Einsamkeit“, dass sich mit Mut und Konsequenz für und mit seinem Publikum programmatisch, ästhetisch und strukturell weiterentwickelt.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auch auf neuer internationaler Dramatik mit Ur- und Erstaufführungen und Stückaufträgen sowie auf mehrtägigen Festivals – insbesondere mit Bezügen zu Süd-Osteuropa – und politisch aktuellen Themen. Mit Blick auf sich verschärfende Krisen und den anwachsenden Antisemitismus in Deutschland, entstand in der vergangenen Spielzeit ein Laboratorium der zeitgenössischen und theatralen Erinnerungskultur: Produktionen wie „ORATORIUM: DOYÇLAND“ von Caner Akdeniz, „Milch und Kohle“ von Ralf Rothmann oder „Bruder Eichmann / Geschwister Eichmann“ von Heinar Kipphardt / Lukas Hammerstein spüren politischen Kontinuitäten nach und nehmen die Geschichte eines vielfältigen Deutschlands, Frauengeschichte und lokal angebundene Ruhrgebietsgeschichte in den Blick.
Das Theater Oberhausen unter Intendanz von Kathrin Mädler zeigt beispielhaft, wie ein Stadttheater zeitgemäß aufgestellt sein kann: strukturell innovativ, ästhetisch auf der Höhe der Zeit und zugleich offen für neue Impulse, internationale Kooperation, Teilhabeformate und Publikumsentwicklungen.

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